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Ja, ich weiß. Farbmessgeräte kosten Geld. Da taucht natürlich die Frage auf, ob sie nicht doch irgendwie entbehrlich sind. Die Antwort ist, Sie ahnen es schon, ein glasklares "Jein":
Wer Fotos am Computer bearbeitet, will sicherstellen, dass er dabei die korrekte Helligkeitsverteilung und die korrekten Farbsättigungen sieht. Es ist wichtig, wahrzunehmen, wann Details in dunklen Bildbereichen noch erkennbar sind, und wann sie langsam im Schwarz versinken. Es ist genauso wichtig, Farbstiche als solche identifizieren zu können und zuverlässig zu erkennen, wie sich bestimmte Kontrastkorrekturen auswirken.
Alle diese Dinge funktionieren nur, wenn konsequent Farbmanagement angewendet wird. Nur echtes ICC-Farbmanagement führt eine ständige Konvertierung der Bildfarben in die Monitorfarben durch, und nur durch diese ständige Konvertierung erhält man eine korrekte Darstellung. Keine "manuelle Kalibrierung" der Monitorfarben nach Testbildern kann eine solche Anpassung von Farbräumen leisten, egal wie sorgfältig man sie durchzuführen glaubt.
An der Benutzung von Farbmanagement führt für ernsthafte Bildbearbeitung daher kein Weg mehr vorbei - und eine der Voraussetzungen für die Nutzung von Farbmanagement ist das Vorhandensein eines passenden Monitorprofils. Diskutieren kann man allenfalls darüber, welche Ansprüche an die Präzision des Profils man stellt.
Naheliegend wäre die Idee, ein Farbmessgerät nur einmal auszuleihen. Das scheitert aber in den meisten Fällen an den Lizenzbedingungen der mitgelieferten Software. Ein juristischer Ausweg wäre die Verwendung einer lizenzfreien Software (Argyll bzw. dispcalGUI), die mit vielen erhältlichen Messgeräten funktioniert. Leider ist deren Installation und Benutzung beim derzeitigen Entwicklungsstand noch gewöhnungsbedüftig und nicht gerade einsteigerfreundlich.
Experten weisen gern darauf hin, man müsse aufgrund der Alterung des Monitors am besten wöchentlich die Kalibrierung und Profilierung neu durchführen. Das spricht unbedingt für den Kauf eines eigenen Gerätes. Allerdings sollte man auch wissen, dass es hier bereits um Feinheiten geht, die nicht für jeden Amateur von Belang sind. Moderne Flachbildschirme altern nicht mehr so stark wie frühere Röhrenmonitore, und außerdem sind einfache Farbmessgeräte gar nicht so präzise, wie man vielleicht glaubt.
Wenn der Kauf eines eigenen Farbmessgerätes nicht in Frage kommt, ist das Ausleihen eines solchen Gerätes daher die bei weitem zweitbeste Lösung. Wenigstens in größeren Abständen, z. B. nach jeweils 18 Monaten, sollte die Messung jedoch aufgefrischt werden. Sonst schlägt die Alterung doch irgendwann zu.
Solange Sie nur sehr begrenzte Ansprüche an die Genauigkeit haben, können Sie ein Profil verwenden, das nicht speziell an Ihrem Monitor gemessen wurde, sondern lediglich an einem anderen Monitor desselben Typs. Wenn Sie einen guten Markenmonitor benutzen, dürfen Sie davon ausgehen, dass die Serienstreuung sich in erträglichen Grenzen hält. Viele Monitorhersteller bieten sogar auf ihren Internetseiten Profile für ihre Monitore zum Download. Wie gut die sind, müsste man im Einzelfall nachmessen - aber wie soll man das machen, wenn man kein eigenes Messgerät hat?
Besser als ein laienhaftes "Kalibrieren nach Sicht" ist die Verwendung eines ungefähren Profils allemal. Zusätzlich sollten dann noch Helligkeit und Gamma visuell eingestellt werden (z. B. mit Hilfe von Adobe Gamma), damit die Helligkeitsverteilung nicht ganz dem Zufall überlassen bleibt.
Erfahrene Farbmanagement-Experten raufen sich natürlich die Haare bei dem Gedanken, ein Profil zu verwenden, das nicht individuell an dem jeweiligen Gerät gemessen wurde. Oft gibt es kleine Abweichungen (bedingt durch Serienstreuung oder Alterung), die man auf den ersten Blick bzw. bei einem schnellen Test gar nicht bemerkt, die aber dann z. B. zu einer falschen Hauttonwiedergabe oder einem nicht ganz neutralen Mittelgrau führen können.
Ich denke, ich habe das in dieser Artikel-Reihe schon mehrfach deutlich gemacht: Ein Musterfoto neben den Monitor zu halten und dann irgendwie einen visuellen Abgleich zu suchen, ist aus mehreren Gründen kompletter Blödsinn. Punkt.
Machen wir uns nichts vor: Wenn Sie ernsthaft Bildbearbeitung betreiben wollen, sind die alternativen Wege auf Dauer nicht befriedigend. Und einfache Farbmessgeräte sind neben den Kosten für Kameras, Objektive und Software durchaus erschwinglich.
Wenn Sie billig wegkommen wollen und mit festen Kalibrierungszielen leben können (Gamma 2,2 und Weißpunkt 6500 K), genügt zur Kalibrierung/Profilierung Spyder 3 Express.
Mit Spyder 3 Pro bekommen Sie ein etwas höherwertiges Messgerät und flexiblere Software mit Wahl verschiedener Gammawerte und Weißpunkte sowie der Option, mehrere Monitore zu vermessen.
Mit Spyder 3 Elite bekommen Sie dasselbe Messgerät wie mit der Pro-Version, aber die Elite-Software lässt zusätzlich die freie Einstellung der Kalibrierungsziele zu und hat eine Reihe spezieller Eingriffsmöglichkeiten für Experten. Zudem kann die Elite-Version außer Monitoren auch Beamer kalibrieren/profilieren.
Ein besonders hochwertiges Messgerät ist das Quato DTP94. Es empfielt sich für Anwender mit besonderen Ansprüchen und insbesondere für die Kalibrierung/Profilierung von Monitoren mit großem Farbraum.
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Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: Mai 2011