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Praktische Durchführung von Kalibrierung und Profilierung

Kalibrierungs-Ziele festlegen

Einfache Kalibrierungs- und Profilierungsprogramme geben dem Anwender feste Werte für Weißpunkt und Gamma vor. Man nennt diese Werte auch Kalibrierungs-Ziele. Gängige Vorgaben sind 5000 oder 6500 Kelvin für den Weißpunkt und ein Gammawert von 2,2.

Für die Bedürfnisse von Hobbyfotografen ist eine solche Festlegung in der Regel kein Nachteil. Bessere Kalibrierungslösungen bieten mehr Einstellmöglichkeiten; man kann dort Farbtemperatur, Helligkeit und Helligkeitsverteilung (Gamma) in weitem Rahmen selber vorgeben. Solange man keine konstante Rambeleuchtung hat, auf die hin man kalibriert, sind diese Möglichkeiten allerdings von begrenztem Nutzen.

Wenn Sie einen Anhaltspunkt brauchen: Ich empfehle 5000 bis 6000 Kelvin (das passt ungefähr zu einem mittleren Tageslicht in Innenräumen) und ein Gamma von 2,2 (das entspricht in etwa der Helligkeitsverteilung von sRGB). Wie hell man den Monitor insgesamt einstellt, muss man ausprobieren: Je heller die Umgebungsbeleuchtung ist, umso heller sollte auch das Monitorbild sein. In hellen Räumen kann eine Helligkeit von 140 cd/m² oder mehr nötig sein, während in dunklen Räumen 80 cd/m² gerade richtig sein könnten. Aber wenn die Helligkeit der Umgebungsbeleuchtung schwankt, sind auch diese Überlegungen hinfällig.

Wenn Ihr Monitor bisher auf eine sehr kalte Farbtemperatur eingestellt war, wo das neutrale Grau in Tageslichtumgebungen schon fast bläulich wirkt (preiswerte Monitore sind ab Werk auf 8000 K und mehr eingestellt), werden Ihnen die Farben bei 5000 K zunächst zu warm vorkommen. Das ist aber reine Gewohnheit; nach ein paar Tagen empfinden Sie das wärmere Bild als normal. Auf Dauer schont die wärmere Abstimmung sogar Ihre Augen, weil Sie sich nicht permanent zwischen der wärmeren Umgebungsbeleuchtung und dem kühleren Monitor umstellen müssen.

Der Gammawert wird übrigens vom Farbmanagement permanent angepasst. Sobald Sie eine Software verwenden, die Farbmanagement unterstützt, ist es theoretisch egal, auf welches Gamma Sie kalibriert hatten. Auch wenn Sie später einen Arbeitsfarbraum mit z. B. Gamma 1,8 verwenden wollen, können Sie ruhig auf Gamma 2,2 kalibrieren, so dass die Helligkeitsverteilung üblicher sRGB-Bilder auch in Programmen ohne Farbmanagement (Browser, Textverarbeitung etc.) einigermaßen stimmt.

Ablauf der Prozedur

Die eigentliche Abwicklung von Kalibrierung und Profilierung erledigt die Software fast von allein. Sie werden an einem bestimmten Punkt aufgefordert, das Messgerät auf dem Monitor zu platzieren. Manche Kalibrierungsprogramme ermöglichen dann noch eine messtechnisch gestützte Voreinstellung mit Hilfe der Regler am Monitor.
Anschließend wird eine lange Abfolge von Farbflächen angezeigt und automatisch vermessen. Je nach Komplexität der Software dauert das zwischen 10 und 60 Minuten. (Je mehr Felder vermessen werden, umso genauer wird das Profil.)

Am besten sorgen Sie während der Messungen für gedämpftes Licht, damit kein Streulicht die Messung beeinflussen kann. Falls Ihr Messgerät auch die Raumbeleuchtung messen kann (das können nur die besseren, die hierfür einen Zusatzsensor haben), müssen Sie zumindest während der Raumlicht-Messung das Raumlicht wieder anschalten. Wirklich sinnvoll ist diese Messung nur bei konstantem Licht. Andernfalls empfehle ich, die Raumlicht-Messung ganz zu deaktivieren. (Es wäre ja dann nur Zufall, welches Licht während der Messung gerade herrscht.)

Kalibrierung und Profilierung werden von den meisten Programmen "in einem Rutsch" durchgeführt. Man kann nicht sagen, welche Messungen der Kalibrierung dienen und welche der Profilierung. Das kann Ihnen auch egal sein. Hauptsache ist, dass am Ende der Prozedur beides erledigt ist: Ihr Monitor ist auf die eingestellten Kalibrierungs-Ziele kalibriert, und es wurde ein Monitorprofil im Betriebssystem hinterlegt.

Interne Umsetzung

Nur sehr teure Grafik-Monitore ermöglichen eine Hardware-Kalibrierung: Hier wird der Monitor mit dem Computer verbunden, und die Kalibrierungssoftware sendet die nötigen Einstellungen direkt an den Monitor. In allen anderen Fällen werden Kalibrierungsdaten in den Speicher der Grafikkarte geschrieben. Das geschieht bei jedem Systemstart neu, und zwar durch ein Hilfsprogramm, das meist in der Autostart-Gruppe des Betriebssystems abgelegt wird (den sogenannten Loader). Meist sieht man beim Systemstart deutlich, wann die Farben "umschalten" und somit die Kalibrierung wirksam wird.

Die Kalibrierungsdaten, die der Loader in den Speicher der Grafikkarte schreiben muss, werden als Zusatzdaten mit im Monitorprofil gespeichert. An dieser Stellen kommen Profilierung und Kalibrierung also doch wieder zusammen, und das hat auch einen gewissen Sinn: Das Profil baut ja auf der bereits kalibrierten Monitordarstellung auf. Also kann das Profil nur korrekt angewendet werden, wenn vorher auch die Kalibrierung wirksam wurde. Falls das Monitorprofil versehentlich gelöscht oder ersetzt wird, funktioniert auch die Kalibrierung nicht mehr.

Wenn Sie kontrollieren möchten, ob das Monitorprofil korrekt eingebunden wurde, machen Sie unter Windwows 2000 oder XP einen Rechtsklick auf den Desktop und wählen Sie Eigenschaften > Einstellungen > Erweitert > Farbverwaltung. Unter Windows Vista finden Sie das Monitorprofil unter Start > Systemsteuerung > Hardware und Sound > Farbverwaltung.
Die meisten heutigen Programme, soweit sie Farbmanagement unterstützen, benutzen von sich aus das System-Monitorprofil. Nur in wenigen Programmen muss man das Monitorprofil noch irgendwo im Menü manuell angeben. (Bitte verwechseln Sie auch nicht das Monitorprofil mit dem standardmäßigen Arbeitsfarbraum-Profil, dass sich in vielen Anwendungen einstellen lässt. An dieser Stelle hat das Monitorprofil nichts zu suchen.)

Wenn Kalibrierung und Profilierung abgeschlossen sind, werden Bilder innerhalb von Programmen, die Farbmanagement unterstützen, im Rahmen des technisch Möglichen korrekt angezeigt. Sie werden also so angezeigt, wie die Definition ihres Arbeitsfarbraumes es vorsieht. Aber die Darstellung erfolgt stets relativ zum Weißpunkt des Monitors, nicht absolut.

Bedeutung von Monitor-Farbräumen

Ein größerer Farbraum (englisch Gamut) bedeutet, dass ein Gerät stärker gesättigte Farben zeigen kann. Will man Farben aus einem großen Farbraum auf ein Gerät übertragen, das einen kleineren Farbraum hat, können nicht alle Farben wiedergegeben werden; dann versucht das Farbmanagement, solche Farben näherungsweise (also mit geringerer Farbsättigung) zu reproduzieren. Wie das geschieht, wird mit dem sogenannten Rendering Intent festgelegt, aber dessen Erklärung würde an dieser Stelle zu weit führen; das gehört dann schon zu den Feinheiten des Farbmanagements.

Für die exakte Bildbearbeitung sollte der Farbraum eines Monitors möglichst groß sein. (Einen informativen Vergleich verschiedener Monitorfarbräume finden Sie übrigens hier.) Die meisten Notebook-Displays haben einen relativ kleinen Farbraum und können nicht alle Farben aus den bekannten Arbeitsfarbräumen sRGB oder gar AdobeRGB anzeigen. Hochwertige Monitore erreichen zumindest den sRGB-Farbraum. Neuerdings gibt es auch bezahlbare TFT-Monitore, deren Farbraum schon deutlich über sRGB hinausgeht; man spricht dann auch von Wide-Gamut-Monitoren bzw. einem "erweiterten Farbraum". Allerdings haben große Monitorfarbräume auch einen Nachteil: In Anwendungsprogrammen, die noch kein Farbmanagement beherrschen, zeigen sie die Farben zu grell. Kaufen Sie also nur einen Wide-Gamut-Monitor, wenn Sie hauptsächlich Anwendungsprogramme benutzen, die Farbmanagement unterstützen. Die meisten Bildbearbeitungsprogramme und RAW-Konverter tun das glücklicherweise schon. Die meisten Office-Programme, Videobearbeitungsprogramme und Internetbrowser tun es leider noch nicht. Welche Browser bereits für Farbmanagement taugen, können Sie auf meiner Browser-Testseite nachlesen.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: November 2009

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