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Kalibrierung und Profilierung - der große Unterschied

Mit einem Farbmessgerät und der zugehörigen Software können Sie zweierlei Dinge tun: kalibrieren und profilieren. Die beiden Begriffe werden häufig durcheinandergeworfen oder sogar synonym verwendet. Selbst manche Experten sprechen vereinfachend von "Kalibrierung", wenn sie in Wirklichkeit die Erstellung eines Profils meinen. Hier liegt immer noch eine große Verständnis-Hürde für Einsteiger.

Kalibrierung bedeutet, dass ein Gerät auf bestimmte Werte eingestellt wird. Profilierung bedeutet, dass die Eigenschaften eines Gerätes gemessen und als Profil gespeichert werden.

Laut der Grundidee des Farbmanagements sollte eine Kalibrierung des Monitors gar nicht nötig sein. Es sollte genügen, ein Profil des Monitors auszumessen - also eine Profilierung durchzuführen. Das gemessene Profil können farbmanagement-taugliche Anwendungsprogramme dann verwenden, um die Farben einer beliebigen Bilddatei korrekt darzustellen.

Die Hersteller der Farbmessgeräte wählen jedoch einen etwas umständlicheren Weg und stellen der Profilierung noch eine tatsächliche Kalibrierung des Bildschirms voran: Im Zuge der Kalibrierung wird der Monitor auf bestimmte Werte für Weißpunkt, Helligkeit und Gamma (Helligkeitsverteilung) gebracht. Gleichzeitig wird der Farbraum linearisiert, d. h. auf gleichmäßige Graustufen hin optimiert. Diese Korrektur wirkt sich auf die gesamte Bildschirmdarstellung aus - also nicht nur innerhalb farbmanagement-fähiger Anwendungsprogramme. Das Verfahren stammt aus der Welt der Grafikstudios, wo es Sinn hat, den Monitor genau mit einem vorhandenen Normlicht abzugleichen. Im privaten Bereich, wo wir es mit ständig wechselndem Umgebungslicht zu tun haben, wäre die Kalibrierung eigentlich entbehrlich. Aber da die Software gängiger Farbmessgeräte eine Kalibrierung vorsieht, müssen wir das hinnehmen.

Wenn Sie die Software Ihres Farbmessgerätes laufen lassen, passieren also zwei ganz verschiedene Sachen. Ich spreche hier auch gern von zwei Stufen:

1) Der Monitor wird linearisiert und auf bestimmte Werte für Helligkeit, Weißpunkt (Farbtemperatur) und Gamma (Helligkeitsverteilung) kalibriert. Diese Kalibrierung wirkt sich auf die gesamten Systemfarben aus. Es findet mit der Kalibrierung jedoch keine Anpassung an einen bestimmten Arbeitsfarbraum statt. Es wird also niemals "auf sRGB kalibriert" oder "auf AdobeRGB kalibriert". Die Darstellung von Bildern auf einem kalibrierten Monitor ist nicht verbindlich, solange nicht auch Farbmanagement ins Spiel kommt.

2) Es wird auf Basis des kalibrierten Monitors ein Monitorprofil ausgemessen, also eine Profilierung durchgeführt. Dieses Monitorprofil wird im Betriebssystem als Standard-Monitorprofil hinterlegt und kann dann von farbmanagement-fähigen Anwendungsprogrammen genutzt werden. Erst dort findet die Konvertierung der Farben vom Arbeitsfarbraum des Fotos in den Monitorfarbraum statt - so wie es das Farbmanagement eigentlich vorsieht.

Die Kalibrierung des Monitors ist lediglich eine Vorstufe, aber sie ist nicht das Entscheidende. Korrekte Farben gibt es nur in Anwendungsprogrammen, die wirklich Farbmanagement beherrschen - also das Monitorprofil verwenden.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: November 2009

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