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Mit einem Farbmessgerät und der zugehörigen Software können Sie zweierlei Dinge tun: kalibrieren und profilieren. Die beiden Begriffe werden häufig durcheinandergeworfen oder sogar synonym verwendet. Selbst manche Experten sprechen vereinfachend von "Kalibrierung", obwohl sie auch die Erstellung eines Profils meinen. Wahrscheinlich wurden die Begriffe nie eindeutig definiert, und hier liegt immer noch eine große Verständnishürde für Einsteiger.
Kalibrierung bedeutet, dass ein Gerät auf bestimmte Werte eingestellt wird. Profilierung bedeutet, dass die Eigenschaften eines Gerätes gemessen und als Profil gespeichert werden.
Schön. Und welches Verfahren wenden wir nun an? Laut der Grundidee des Farbmanagements sollte eine Kalibrierung des Monitors gar nicht nötig sein. Es sollte genügen, ein Profil des Monitors auszumessen - also eine Profilierung durchzuführen. Das gemessene Profil können farbmanagement-taugliche Anwendungsprogramme dann verwenden, um die Farben einer beliebigen Bilddatei korrekt darzustellen.
Die Hersteller der Farbmessgeräte wählen jedoch einen etwas umständlicheren Weg und stellen der Profilierung noch eine tatsächliche Kalibrierung des Bildschirms voran: Im Zuge der Kalibrierung wird der Monitor auf bestimmte Werte für Weißpunkt, Helligkeit und Gamma (Helligkeitsverteilung) gebracht. Gleichzeitig wird der Farbraum linearisiert, d. h. auf gleichmäßige Graustufen hin optimiert. Diese Korrektur wirkt sich auf die gesamte Bildschirmdarstellung aus - also nicht nur innerhalb farbmanagement-fähiger Anwendungsprogramme. Dies bedeutet aber keineswegs, dass nun die Farben schon korrekt dargestellt würden.
Also wozu der Aufwand? Das Verfahren stammt aus der Welt der Grafikstudios, wo es Sinn hat, den Monitor genau mit einem vorhandenen Normlicht abzugleichen. Im privaten Bereich, wo wir es mit ständig wechselndem Umgebungslicht zu tun haben, wäre die Kalibrierung eigentlich entbehrlich. Aber da die Software gängiger Farbmessgeräte eine Kalibrierung vorsieht, müssen wir uns damit anfreunden.
Und damit sollte das große Mysterium rund um die Monitorkalibrierung aufgeklärt sein: Wenn Sie die Software Ihres Farbmessgerätes laufen lassen, passieren hintereinander zwei ganz verschiedene Sachen. Ich spreche hier auch gern von zwei Stufen:
1) Der Monitor wird linearisiert und auf bestimmte Werte für Helligkeit, Weißpunkt (Farbtemperatur) und Gamma (Helligkeitsverteilung) gebracht. Diese Kalibrierung wirkt sich auf die gesamten Systemfarben aus, und das sieht man auch im Vorher-Nachher-Vergleich. Daraufhin denkt der willige Einsteiger, seine Farben seien jetzt "richtig", aber da denkt er leider falsch: Es findet mit der Kalibrierung nämlich noch keine Anpassung an einen bestimmten Arbeitsfarbraum statt. Es wird also niemals "auf sRGB kalibriert" oder "auf AdobeRGB kalibriert", sondern nur der rohe Monitor-Farbraum optimiert. Die Darstellung von Bildern auf einem kalibrierten Monitor ist also nicht korrekt, solange nicht auch Farbmanagement ins Spiel kommt.
2) Es wird auf Basis des kalibrierten Monitors ein Monitorprofil ausgemessen, also eine Profilierung durchgeführt. Dieses Monitorprofil wird im Betriebssystem als Standard-Monitorprofil hinterlegt und kann dann von farbmanagement-fähigen Anwendungsprogrammen genutzt werden. Erst im jeweiligen Anwendungsprogramm findet die Konvertierung der Farben vom Arbeitsfarbraum des Fotos in den Monitorfarbraum statt - so wie es das Farbmanagement eigentlich vorsieht.
Die Kalibrierung des Monitors ist lediglich eine Vorstufe, aber sie ist gar nicht das Entscheidende. Korrekte Farben gibt es nur in Anwendungsprogrammen, die wirklich Farbmanagement beherrschen - also das Monitorprofil verwenden, um die Farben des Bildes temporär in den Monitorfarbraum umzurechnen. Wenn man es mal kapiert hat, ist es ganz logisch.
Und noch etwas ist leider genauso logisch: Programme, die kein Farbmanagement unterstützen, zeigen nie korrekte Farben an. Dagegen hilft keine Kalibrierung und keine Profilierung.
Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: Mai 2011
Einführung in die Monitorkalibrierung und -profilierung
Kalibrierung und Profilierung - der große Unterschied
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