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Festzieh-Abweichung von Stativköpfen

Über die Vor- und Nachteile verschiedenster Stative und Stativköpfe wurde schon viel geschrieben; die Frage nach 3D-Neiger vs. Kugelkopf ist ein endloses Thema, ebenso wie die Qualitätsunterschiede und Ausstattungsmerkmale. Hier auf dieser Seite soll es jedoch vornehmlich um die Abweichungen gehen, die beim Festziehen der Schrauben entstehen - also nachdem man bereits den Bildausschnitt eingestellt hat.

Testablauf

Es wurde jeweils ein Teleobjektiv (450 mm KB-Äquiv.) benutzt und auf ein Testmotiv an der Wand ausgerichtet. Ausgelöst wurde per Kabel.

Die Schrauben der Stativköpfe wurden schon vorab leicht angezogen, so dass die jeweilige Einstellung eine gewisse Reibung bekam und eine "Vorher"-Aufnahme bei losgelassener Kamera möglich wurde. Das sehe ich nicht als Verfälschung, denn auch in der Praxis wird man zum Einstellen des Bildausschnitts die Schrauben nicht völlig lose lassen, sondern vorab leicht anziehen; bei besseren Kugelköpfen übernimmt diese Aufgabe eine separate Friktions-Schraube.

Dann wurde jeweils eine Aufnahme vor und nach dem festen Anziehen der Schrauben gemacht.

Ergebnisse

Hier sind die Ergebnisse im Einzelnen. Wenn Sie mit der Maus über die Beispiele fahren (kein Anklicken nötig), können Sie die Bildausschnitte direkt vergleichen. Ohne Mauskontakt sehen Sie den Bildausschnitt mit noch losen Schrauben, mit Mauskontakt sehen Sie den Bildausschnitt nach Anziehen der Schrauben.

Hinweise: Da eine recht lange Brennweite zum Einsatz kam, werden auch auch kleinste Abweichungen sichtbar, die in der Praxis nicht immer Bedeutung haben. Außerdem unterliegen Stativköpfe sowohl einer Fertigungsschwankung als auch einer Abnutzung; insofern müssen die hier gezeigten Ergebnisse nicht mit allen Köpfen desselben Typs identisch sein.

Der kompakte Kugelkopf 484RC2 hat einen relativ kleinen Boden und wirkt auf der großen Grundplatte des hier verwendeten 055C-Stativs ein wenig verloren; die Madenschrauben, die eigentlich den Kopf vor dem Verdrehen schützen sollen, greifen ins Leere.

Der 352RC ist das Vorgängermodell des 484RC2. Es wirkt durch seine große Bodenplatte wuchtiger, hat aber die gleiche Kugelgröße wie sein Nachfolger.

Der Markins M20 spielt in einer ganz anderen Preisklasse als die hier gezeigten Manfrotto-Kugelköpfe, hat eine wesentlich größere Kugel und verfügt über eine einstellbare Friktion.

Der 141RC ist als 3D-Neiger in Metallbauweise wesentlich größer und schwerer als die gezeigten Kugelköpfe.

Der 804 RC2 ist das Nachfolgemodell des 141RC, jedoch teilweise aus Kunststoff und etwas leichter.

Der 700 RC2 ist ein 2D-Videoneiger und für Fotokameras nur bedingt geeignet; das merkt man spätestens an der Kamerabefestigung, die auf längliche Camcorder ausgelegt ist (man muss die Wechselplatte der Länge nach an die Kamera schrauben und der Kameraboden der DSLR kommt in Konflikt mit der Fixierschraube).

Auch der 503 HDV ist ein Videoneiger, aber wesentlich größer und schwerer als der 700 RC (und für größere Videokameras gedacht).

Fazit

Nochmal ein Hinweis: Es ging in diesem Test nicht um allgemeine Stativkopf-Eigenschaften wie Handhabung, Stabilität oder Geschmeidigkeit beim Einstellen, sondern ausschließlich um die Abweichung beim Festziehen der Schrauben. Die hier gezeigten Ergebnisse können zu einer Kaufentscheidung beitragen, ersetzen aber keine Beschäftigung mit den übrigen Eigenschaften der Köpfe.

Verlierer des Tests ist der alte Kugelkopf MA 352 RC. Die relativ komplizierte Mechanik scheint eine sehr starke Abweichung beim Festziehen mit sich zu bringen. Da die Abweichung nur in eine Richtung (nach unten) geht, kann der erfahrene Benutzer sie zwar ausgleichen, aber von Präzision kann man dann aber nicht sprechen. Die positive Überraschung dieses Tests ist hingegen das Nachfolgemodell, der sehr kleine Kugelkopf MA 484 RC2: Er zeigt beim Festziehen nur eine geringe Abweichung.

Der Videoneiger MA 700 RC2 liegt in Sachen Feststell-Abweichung im hinteren Drittel; die Abweichung des professionellen Videoneigers MA 503 HDV ist etwas geringer. Aber ein Fotograf wird solche 2D-Neiger am ehesten für Mitzieher oder Motivverfolgung mit langer Brennweite einsetzen - und da spielt das präzise Festschrauben keine große Rolle.

Im Rahmen halten sich die Feststell-Abweichungen des Markins M20 Kugelkopfs; sie ist aber stärker als die des kleinen MA 484 RC2.

Die Abweichungen des 3D-Kopfes MA 141 RC beim Festziehen sind zwar sichtbar, aber geringer als die der meisten anderen Köpfe. Enttäuschend fällt dagegen die Abweichung des Nachfolgemodells MA 804 RC2 aus; offenbar sorgt hier die Kunststoff-Bauweise für ein stärkeres Verziehen.

Bemerkung

An dieser Stellen vielen Dank an alle, die bereits Testbilder für diesen Vergleich beigesteuert haben! Ich würde mich freuen, wenn noch weitere Benutzer Testbilder verschiedener Stativköpfe liefern könnten, damit diese Übersicht noch umfangreicher und nützlicher wird. Bei Interesse bitte E-Mail an: stativkopf@beitinger.de

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: April 2009