Qualitätseinstellungen Nikon D70

Die Nikon D70 bietet zum Speichern der Bilder drei Auflösungstufen (L, M und S) sowie drei Komprimierungseinstellungen (Fine, Norm und Basic). Desweiteren gibt es das RAW-/NEF-Format zur Speicherung der unbearbeiteten Chipdaten. Da ich eine Verringerung der Auflösung in der Kamera nicht für sinnvoll halte (außer für seltene Spezialanwendungen), habe ich in diesem Versuch nur Bilder in voller Auflösung (Einstellung L, also 3008 x 2000 Pixel) berücksichtigt.

A: Dateigrößen und Speicherkapazität
Das Display der D70 zeigt die verbliebene Bilderzahl sehr konservativ an, d. h. in Wirklichkeit passen noch einige Bilder mehr auf die Speicherkarte. Um künftig besser kalkulieren zu können, habe ich daher 25 Probeaufnahmen durchgeführt, die ich jeweils nacheinander mit identischem Bildausschnitt in den 4 Qualitätseinstellungen Fine, Norm, Basic und Raw gespeichert habe. Es war ein Mix an Bildern, die ich rund ums Haus aufgenommen habe. Der Schwerpunkt lag auf detailreichen Motiven, wobei ich stets auf optimale Schärfe geachtet habe:

Die tatsächlichen Dateigrößen variieren in Abhängigkeit von der Komplexität des Motivs; von daher dürften die von mir gemessenen Werte im oberen Bereich liegen. Unter alltäglichen Fotobedingungen, wo auch fehlfokussierte und verwackelte Motive vorkommen (die weniger detailreich und somit besser komprimierbar sind), werden noch etwas mehr Bilder auf die Karte passen.

kleinste Datei im Test größte Datei im Test Durchschnittsgröße Anzahl Bilder auf 1-GB-Karte1 bei Durchschnittsgröße Anzahl Bilder auf 1-GB-Karte1 laut D70-Display Reale Mehrkapazität im Vergleich zum Display-Wert3
JPEG Fine 2,4 MB 3,1 MB 2,86 MB 333 284 17 %
JPEG Norm 1,2 MB 1,6 MB 1,53 MB 623 560 11 %
JPEG Basic 0,7 MB 0,9 MB 0,78 MB 1222 1,0 k4 12 %4
RAW 5,0 MB 7,0 MB 6,25 MB 152 92 65 %
RAW + Basic2 5,7 MB 7,9 MB 7,03 MB 135 85 59 %

1CF-Karten mit der Aufschrift "1 GB" haben in Wirklichkeit weniger Kapazität - im ungünstigsten Fall nur 953,7 MB. Die Kartenhersteller tricksen nämlich höhere Nenn-Kapazitäten herbei, indem sie Kilo, Mega und Giga mit dem Faktor 1000 statt dem im Computerbereich üblichen Faktor 1024 errechnen. Die Kapazität schwankt auch je nach Hersteller und Kartentyp. Die obige Tabelle geht vom Minimalfall 953,7 MB aus; die genaue Kapazität Ihrer Karte können Sie im Windows-Explorer auslesen.

2Die Einstellung RAW+Basic ist in der Praxis oft ein unnötiger Speicherfresser: Jede NEF-Datei enthält nämlich schon ein JPEG-Bild in Basic-Qualität, das in Bildbetrachtern (z. B. Nikon View) zur schnellen Vorschau verwendet wird. Sascha Kyeck stellt mit Raw2JPEG ein kostenloses Tool zur Verfügung, das die eingebetteten JPEGs aus NEF-Dateien extrahiert. Nach Sekundenbruchteilen (!) bekommt man damit zu jedem NEF eine passende JPEG-Basic-Kopie - fast so, als ob man in RAW+Basic fotografiert hätte (nur ohne EXIF-Daten). Den Speicherbedarf für die zusätzlichen JPEGs kann man sich also sparen. (Wenn man genügend Kartenkapazität hat und das zusätzliche JPEG als Sicherheitsreserve möchte, spricht natürlich nichts gegen RAW+Basic.)

3Die Anzeige noch möglicher Bilder wird ständig anhand der Restkapazität berechnet, nicht anhand der Gesamtkapazität. Diese permanente Neuberechnung des Speicherplatzes in der D70 äußert sich auch darin, daß sich nach jedem Bild zwar der Zähler um 1 reduziert, manchmal jedoch wieder zurückgeht, so als sei gar keine Aufnahme gemacht worden.Wenn dann z. B. bei Einstellung RAW auf einer 1-GB-Karte noch 10 Bilder angezeigt werden, dürften tatsächlich noch etwa 16 Bilder auf die Karte passen - nicht etwa 70. Zwar ist der Zähler dann erst um 82 zurückgegangen, aber in Wirklichkeit wurden schon ca. 136 Bilder gespeichert.

4Bei einer Bilderzahl über 1000 gibt das Display der D70 nur noch grobe Werte (mit k als Abkürzung für 1000) an, von daher läßt sich kein genauer Faktor mehr ableiten. Die angegebenen 12 % beruhen auf einem zweiten Versuch mit einer kleineren CF-Karte.

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Nachtrag: Änderungen mit dem Firmwareupdate 2.0

Mit dem Firmwareupdate 2.0 hat Nikon die Displayanzeige für die Zahl verbliebener RAW-Aufnahmen geändert; die Anzeige liegt jetzt deutlich näher an der Wahrheit. Allerdings hat Nikon etwas übers Ziel hinausgeschossen: Bei komplexen Motiven (wie z. B. meinen Testaufnahmen) kann es nun passieren, daß tatsächlich weniger Bilder auf die Karte passen als anfänglich angezeigt.
Die Anzeige für JPEG-Bilder blieb nach dem Update unverändert. Für JPEG gilt die obige Tabelle also weiterhin. Für RAW und RAW+Basic gelten nach dem Update folgende Werte:

kleinste Datei im Test größte Datei im Test Durchschnittsgröße Anzahl Bilder auf 1-GB-Karte1 bei Durchschnittsgröße Anzahl Bilder auf 1-GB-Karte1 laut D70-Display Reale Mehrkapazität im Vergleich zum Display-Wert3
RAW 5,0 MB 7,0 MB 6,25 MB 152 174 - 13 %
RAW + Basic2 5,7 MB 7,9 MB 7,03 MB 135 154 - 12 %

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B: Komprimierung und Artefakte
Die obige Tabelle erfaßt nur die meßbaren Dateigrößen. Sehr viel subjektiver gestaltet sich die Frage, welche Qualitätseinstellung für welchen Zweck angemessen ist. Im Zweifelsfall hilft nur kritisches Ausprobieren, ob eine stärkere Kompression das Bild wirklich verschlechtert. Hierfür ein paar Anhaltspunkte:

- Ob die JPEG-Kompression Spuren hinterlassen hat, erkennt man am ehesten auf großen Drucken und Belichtungen. Auf üblichen Fotogrößen bis 13 x 19 cm sind garantiert keine Unterschiede zwischen Fine, Norm und Basic sichtbar. Am Bildschirm muß zur Identifizierung von Artefakten eine Ansichtsgröße von 200 % oder größer gewählt werden.
- Am deutlichsten treten JPEG-Artefakte entlang kontrastreicher Kanten auf; bei hoher Kompression bilden sich auch quadratische Artefakte in gleichmäßigen Farbflächen.
- Wenn JPEG-Bilder nachträglich farb- oder kontrastkorrigiert werden, werden vorhandene JPEG-Artefakte eher sichtbar als in den unbearbeiteten Dateien. (Für intensive Korrekturen eignet sich das RAW-Format als Ausgangsmaterial besser als JPEG.)
- Meist (aber nicht immer) ist bei der Nikon D70 die Qualität der RAW-Aufnahmen, die mit Nikon Capture oder Nikon View nach JPEG gewandelt wurden, etwas höher als die Qualität der direkt in der Kamera abgespeicherten JPEGs. Das äußert sich u. a. in der Wiedergabe feinster Strukturen, die auf Kamera-JPEGs (auch JPEG-Fine) eher zur Artefaktbildung neigen als auf JPEGs, die aus NEF-Files berechnet wurden. Ferner wirken die aus NEFs generierten Bilder bei identischer Scharfzeichnungs-Einstellung immer etwas schärfer als Kamera-JPEGs, was je nach Motiv auch nachteilig sein kann, weil dadurch Abbildungsfehler von Bildwandler und/oder Objektiv deutlicher hervortreten. In der Praxis fallen die Qualitätsunterschiede zwischen RAW und Kamera-JPEG sehr gering aus und sind auf den meisten Drucken bzw. Ausbelichtungen nicht sichtbar; die unterschiedliche Scharfzeichnung ist reine Geschmackssache und hängt auch vom verwendeten RAW-Konverter ab. Wirklich von Vorteil ist das RAW-Format immer erst dann, wenn für die Nachbearbeitung Qualitätsreserven gebraucht werden.

Die folgenden Beispiele zeigen einen Vergleich der Qualitätsstufen. Es sind Ausschnitte von 200 x 200 Pixel Größe, die zur Verdeutlichung auf 400 x 400 Pixel vergrößert wurden (so wie in einem Bildbearbeitungsprogramm mit 200 % Darstellungsgröße). Da es nur zwei Beispiele sind, können davon nicht alle Fälle möglicher Bildfehler erfaßt sein.

JPEG Basic JPEG Norm JPEG Fine RAW (mit Nikon View zu JPEG konvertiert)
JPEG Basic JPEG Norm JPEG Fine RAW (mit Nikon View zu JPEG konvertiert)

Man sieht, daß die drei JPEG-Einstellungen der D70 gut abgestuft sind, daß also die jeweils höhere Stufe einen leichten Qualitätsgewinn bringt. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, daß die Unterschiede nicht riesig sind und somit erst bei starken Vergrößerungen auffallen.
Bei JPEG Fine sind keine Komprimierungsartefakte mehr zu sehen. Der Schärfeunterschied zwischen JPEG Fine und RAW ergibt sich nur aus der unterschiedlichen Bildverarbeitung in Kamera und Software.

A. Beitinger
Stand: Mai 2005

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