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Tauglichkeit verschiedener Programme für Farbmanagement

Wer Bilder bearbeitet oder beurteilt, braucht echtes Farbmanagement. Leider ist jedoch die Unterstützung für Farbmanagement selbst unter Programmen, die direkt mit Fotografie zu tun haben, noch keine Selbstverständlichkeit. Und selbst wenn eine Art von Farbmanagement vorhanden ist, ist es in manchen Programmen funktionell unvollständig oder sogar irreführend angelegt.

Auf dieser Seite soll eine ausführliche Tabelle entstehen, die die Farbmanagement-Fähigkeiten gängiger Programme zusammenfasst.

Das Monitor-Farbmanagement, also die korrekte Umrechnung beliebiger Arbeitsfarbräume auf den Monitorfarbraum, ist Voraussetzung für eine korrekte Darstellung der Bilder am Monitor. Programme, die der Bildverwaltung und -bearbeitung dienen, sollten vor allem das Speichern mit eingebettetem Profil beherrschen.

Unter der Tabelle gibt es Erläuterungen der einzelnen Spalten.

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Programm Monitor-Farbmanagement Interpretation profilloser Bilder Korrektes Verhalten auf Mehr-Monitor-Systemen Eigenes Druckerfarbmanagement Unterstützung von System-Druckerfarbmanagement Softproof Freies Zuweisen Freies Konvertieren Speichern mit eingebettetem Profil Bemerkungen
Klassische Bildbearbeitungsprogramme:
Adobe Photoshop CS4/5 Ja frei wählbar Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja .
Adobe Photoshop Elements 7/8 Ja sRGB oder AdobeRGB wählbar ? Ja ? Nein*1 Nein Jein*2 Ja *1 Mit "Elements+" ist ein Softproof nachrüstbar
*2 Konvertieren nach sRGB und AdobeRGB ist möglich
Gimp 2.6 Ja wählbarer Arbeitsfarbraum ? Nein ? Ja Ja Jein* Ja *Konvertieren in CMYK-Profile nur mit PlugIn
PhotoLine 16 Ja* wählbarer Arbeitsfarbraum Nein Ja ? Ja Ja Ja Ja *Monitorprofil muss ggfs. manuell aktualisiert werden
Picasa 3 Pseudo ? Nein ? ? ? ? ? Nein .
FixFoto Ja*1 sRGB Nein Nein ? Ja Nein Nein Nein*2 *1 Andere Farbräume werden beim Öffnen zwangsweise nach sRGB konvertiert
*2 Gespeichert wird immer in sRGB ohne Profil
RAW-Konverter und Bildverwaltung:
Adobe Lightroom 2/3 Ja sRGB Ja Ja Ja Nein Nein Jein* Ja *Automatische Konvertierung nach sRGB bei Web-Export
Apple Aperture 3 Ja ? ? Ja Ja Ja Nein Nein Ja .
Canon Digital Photo Professional 3.8 Ja*1 sRGB ? Ja ? Jein*2 Nein Nein Ja *1 Monitorfarbmanagement muss nach Installation manuell auf "Systemeinstellungen verwenden" gestellt werden
*2 Softproof nur auf CMYK-Farbräume
Nikon Capture NX2 Ja frei wählbar ? Ja ? Ja Ja Ja Ja .
Capture One Pro 5 Ja sRGB ? Nein Nein Ja Nein Ja Ja .
Capture One 5 Ja sRGB ? Nein Nein Nein Nein Ja Ja .
Bibble 5 Pro Ja* frei wählbar Nein Ja ? Ja Nein Nein Ja *Monitorprofil muss ggfs. manuell aktualisiert werden; Farbmanagement nicht für Thumbnails
Bibble 5 Lite Ja* frei wählbar Nein Ja ? Nein Nein Nein Ja *Monitorprofil muss ggfs. manuell aktualisiert werden; Farbmanagement nicht für Thumbnails
Bildanzeige, Bilderbrowser und Stapelverarbeitung:
Windows Bild- und Faxanzeige (Win XP) Pseudo Monitorfarbraum Nein Nein ? Nein Nein Nein Ja .
Windows Bildanzeige (Win Vista und 7) Ja* Monitorfarbraum Ja Nein ? Nein Nein Nein Nein *Kein Farbmanagement im Vollbild-Modus
Vorschau (MacOS) Ja Monitorfarbraum ? Ja Ja Ja Ja Nein Ja .
Adobe Bridge Ja*1 sRGB*2 Nein ? Nein Nein Nein Ja *1 zuerst Konvertierung nach sRGB, erst dann in den Monitorfarbraum
*2 korrekte Interpretation nur bei JPEG und TIFF; Wiedergabe von PSD im Monitorfarbraum
Nikon View NX (2) Ja*1 frei wählbar ? Ja ? Nein Nein Jein*2 Ja *1 Farbmanagement nicht für Thumbnails
*2 Per Menü-Einstellung automatische Konvertierung in sRGB bei Export
XnView Ja*1 frei wählbar Nein Nein ? Nein Nein Jein*2 Ja *1 Farbmanagement muss manuell aktiviert werden; Monitorprofil muss manuell gewählt werden; Farbmanagement nicht für Thumbnails
*2 Konvertieren per Stapelbearbeitung möglich
IrfanView Jein* Monitorfarbraum Nein Nein Nein Nein Nein Nein Nein *Per PlugIn ist Farbmanagement für die Monitordarstellung möglich; das PlugIn ist allerdings gefährlich, da beim Speichern oder Batch-Verarbeiten alle Bilder ungewollt in den Monitorfarbraum konvertiert werden
FastStone ImageViewer Pseudo Monitorfarbraum Nein Nein Nein Nein Nein Nein Nein .
Breezebrowser Pro Ja ? ? ? ? ? ? ? ? .
iMatch Ja ? ? ? ? ? ? ? ? .
FastPictureViewer Ja* sRGB Nein Nein ? Nein Nein Nein Nein *Monitorprofil muss manuell eingestellt werden
ACDSee Pro 3 Ja* frei wählbar Nein Ja ? Ja Nein Ja ? *Monitorprofil muss manuell eingestellt werden

*2 Konvertieren ja, Zuweisen nein

digiKam Ja frei wählbar ? ? ? Ja ? ? ? .
Spezialprogramme zur Bildbearbeitung:
Noiseware Community Edition / Standard Edition Nein Monitorfarbraum Nein Nein ? Nein Nein Nein Nein .
Noiseware Professional Edition Pseudo Monitorfarbraum Nein Nein ? Nein Nein Nein Ja .
ShiftN Nein Monitorfarbraum Nein Nein ? Nein Nein Nein Ja .
Office-Pakete:
Microsoft Office 2007 Pseudo Monitorfarbraum Nein Nein ? Nein Nein Nein Nein .
OpenOffice 3 Nein Monitorfarbraum Nein Nein Nein Nein Nein Nein Nein .
SoftMaker Office 2010 Nein Monitorfarbraum Nein Nein Nein Nein Nein Nein Nein .
Internetbrowser:
Internet Explorer (Windows) Nein Monitorfarbraum Nein Nein Nein Nein Nein Nein Ja .
Firefox (Windows + MacOS + Linux) Ja sRGB* Nein Nein ? Nein Nein Nein Ja * Interpretation profilloser Bilder nur in "Mode 1", aber nicht in "Mode 2" (Default) - Umschalten über "about:config" oder mit Hilfe des Add-ons "Color Management"
Safari (Windows + MacOS) Ja Monitorfarbraum ? Nein Ja Nein Nein Nein Ja .
Opera Nein Monitorfarbraum Nein Nein Nein Nein Nein Nein Ja .
Google Chrome (MacOS) Ja Monitorfarbraum ? ? Ja Nein Nein Nein Ja .

Erläuterungen:

Monitor-Farbmanagement
Arbeitet das Monitor-Farbmanagement korrekt, werden die Farben des angezeigten Bildes in den Monitorfarbraum umgerechnet.
Einige Programme haben nur ein Pseudo-Farbmanagement, das die Farben größerer Farbräume in einen Durchschnittsfarbraum (meist sRGB) wandelt, aber das tatsächliche Monitorprofil unberücksichtigt lässt; mit den bekannten Farbmanagement-Testbildern sieht das dann aus wie echtes Farbmanagement, aber die Farben stimmen nicht wirklich. (Besonders deutlich wird das auf Monitoren mit erweitertem Farbraum.)

Interpretation profilloser Bilder
Besitzt ein anzuzeigendes Bild kein eingebettetes Profil, gibt es zwei Möglichkeiten, wie das Programm seine Farben interpretiert: Entweder es weist ihm ein Standardprofil (z. B. sRGB) zu und rechnet es so in das Monitorprofil um; das ist die korrekte Variante. Oder es verzichtet bei unprofilierten Bildern auf Farbmanagement und zeigt sie unkonvertiert im Monitorfarbraum - was besonders auf Monitoren mit erweitertem Farbraum dann meist zu satte Farben ergibt.

Korrektes Verhalten auf Mehr-Monitor-Systemen
Werden mehrere Monitore nebeneinander verwendet, benötigt man für jeden dieser Monitore ein separates Profil. Seit Windows Vista kann das Betriebssystem tatsächlich mehrere Monitorprofile verwalten. Allerdings wählen nur die wenigsten Programme automatisch das jeweils richtige Profil in Abhängigkeit von der Platzierung des Bildfensters: Manche verwenden immer das Profil des primären Monitors (auch wenn das Bild auf einem anderen Monitor angezeigt wird). Bei manchen muss man das Monitorprofil manuell einstellen, was eine korrekte automatische Wahl von vornherein verbietet. Hat man ein Programm, das sich auf Mehr-Monitor-Systemen nicht korrekt verhält, muss man sich entscheiden, auf welchem der Monitore man die farbrichtige Anzeige haben möchte.

Eigenes Druckerfarbmanagement
Manche Programme bieten eine eingebaute Option, ein Druckerprofil zu wählen und die Umrechnung der Farben in den Druckerfarbraum selbst vorzunehmen (dies also nicht dem Druckertreiber zu überlassen). Dies ist immer noch die sicherste Methode, wenn man verlässlich mit Farbmanagement drucken will.

Unterstützung von System-Druckerfarbmanagement
Man kann das Druckerfarbmanagement dem Druckertreiber überlassen und das Druckerprofil dort bzw. im System einbinden. Damit das funktioniert, muss die druckende Software jedoch das Arbeitsfarbraum-Profil der zu druckenden Bilddatei an den Druckertreiber weiterreichen - was viele leider nicht tun. Kennt der Druckertreiber nicht den Quellfarbraum, findet kein Farbmanagement statt und es wird unkonvertiert im Druckerfarbraum gedruckt.

Softproof
Mit einer Softproof-Funktion kann man am Bildschirm simulieren, wie ein Bild aussehen wird, wenn es auf Papier gedruckt oder ausbelichtet wird. Hierzu wird neben dem Quellprofil (Arbeitsfarbraum-Profil) und dem aktuellen Zielprofil (Monitorprofil) als drittes noch das Profil der verwendeten Druckmaschine benötigt.

Freies Zuweisen
Manchmal möchte man einem Bild, dessen Profil verloren gegangen ist oder das aus irgendeinem Grund ein falsches Profil enthält, ein Profil zuweisen. Idealerweise gibt es hierfür eine eigene Funktion, mit der man Zugriff auf alle im System installierten Profile hat.

Freies Konvertieren
Manchmal muss man die Farben eines Bildes in einen anderen Farbraum konvertieren. Idealerweise gibt es hierfür eine eigene Funktion, mit der man Zugriff auf alle im System installierten Profile hat.

Speichern mit eingebettetem Profil
Programme, mit denen man gewöhnlich Bilder abspeichert (insbesondere Bildbearbeitungsprogramme aller Art) sollten in der Lage sein, die zugehörigen Arbeitsfarbraum-Profile einzubetten. Fehlt diese Möglichkeit, geht das Profil verloren und muss ggfs. später mit einer anderen Software wieder neu eingebettet werden (was behelfsweise zwar geht, aber auf Dauer ziemlich umständlich ist).

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: August 2010