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Argumente für AdobeRGB (und andere große Farbräume)

In einem heutigen Ausbelichtungs- oder Druck-Workflow wird sich der Vorteil von AdobeRGB wegen des kleinen Drucker-Farbraums und der geringen Zahl von Schnittmengen-Farben in den allermeisten Fällen in Luft auflösen. Das heißt aber keineswegs, dass der größere Farbraum sinnlos wäre. Ausbelichtung bzw. Druck ist ja längst nicht mehr die einzige mögliche Nutzung eines Fotos. Um die Vorteile von AdobeRGB und anderer großer Farbräume zu sehen, muss man auch andere Nutzungs-Szenarien bedenken und etwas in die Zukunft planen.

Monitore, Beamer und künftige Druckverfahren

Monitore, die mehr als sRGB darstellen können, werden oberhalb der Einsteigerklasse langsam zum Standard. Die meisten aktuellen Monitore mit IPS- und VA-Panel (also alle außer den billigen TN-Panels) haben schon einen "erweiterten Farbraum" irgendwo zwischen sRGB und AdobeRGB. Es gibt sogar schon einzelne Garfikmonitore, deren Farbraum AdobeRGB übertrifft. Zumindest beim Betrachten oder Präsentieren der Bilder auf dem Monitor lassen sich also einige oder alle der Mehrfarben von AdobeRGB nutzen.
Neben reinen PC-Monitoren ist hier auch an LCD-Flachbildfernseher zu denken, die gut für heimische Diashows einzusetzen sind; auch hier wird es vermutlich Fortschritte hinsichtlich der Farbraumgröße geben. Ähnliches könnte für künftige Videobeamer gelten. Der Canon XEED SX6 kann laut Hersteller bereits 86 % des AdobeRGB-Farbraums darstellen; das ist zwar noch lange keine vollständige Darstellung, aber sie übersteigt zumindest sRGB. Künftige Foto-Beamer werden vielleicht noch mehr Farben darstellen können, so dass man bei Vorführung der Bilder in einigen Jahren ernsthaft von großen Farbräumen profitieren wird.
Auch neuere Druckverfahren könnten etwas größere Farbräume ausgeben; schon heute bieten gute Tintenstrahler mit entsprechendem Papier einen größeren Farbraum als ein Belichter, der mit chemischem Fotopapier arbeitet. Auch wenn sicher nie alle AdobeRGB-Farben auf Papier gebracht werden können, so könnte doch künftig wenigstens ein sichtbarer Vorteil durch den größeren Arbeitsfarbraum entstehen.

AdobeRGB als Standard in der Druckbranche

Jenseits der Frage nach dem technischen Wert ist AdobeRGB ein Standardfarbraum der Druckbranche. Viele Zeitschriftenredaktionen und Bildagenturen bevorzugen oder verlangen Bilder in AdobeRGB. Dies kommt daher, dass AdobeRGB relativ gut die Farbräume von üblichen Offsetdruckverfahren (also CMYK-Farbräume) abdeckt - denn dafür wurde es ursprünglich entwickelt. Allerdings geht es weniger um das technische Optimum als um die Definition eines "Branchenstandards", und da hat AdobeRGB sich einen hohen Stellenwert gesichert. Das muss man - unabhängig von technischen Argumenten - so anerkennen und akzeptieren.

AdobeRGB als JPEG direkt aus der Kamera

Dass es sinnvoll ist, direkt in der Kamera JPEGs in AdobeRGB auszugeben, möchte ich eher bezweifeln. In der Praxis muss man doch heute den Farbraum für die meisten Zwecke am Ende noch konvertieren, und dafür wäre die größere Farbtiefe der RAW-Dateien ein handfester Vorteil. Sofern man bis zum Ende der Bearbeitung im 16-Bit-Modus bleibt, hat man das bestmögliche Ausgangsmaterial für Konvertierungen.

RAW-Dateien sind sowieso noch nicht auf einen Farbraum festgelegt. Man kann also genauso gut in der Kamera sRGB einstellen und dann bei Bedarf aus dem RAW-Konverter AdobeRGB oder auch einen anderen größeren Farbraum ausgeben. Praktikabel ist das natürlich nur für Fotos, die nicht weiter bearbeitet werden müssen.

Ich könnte mir nur eine Situation vorstellen, wo AdobeRGB-JPEG aus der Kamera sinnvoll ist: wenn ein Fotoreporter oder Sportfotograf für eine Agentur fotografiert, die AdobeRGB verlangt, aber der Zeitdruck eine RAW-Konvertierung nicht erlaubt.

Andere große Farbräume

AdobeRGB mag heute noch ein wichtiger Branchenstandard sein, aber für viele Zwecke jenseits des Offsetdrucks ist er schon lange nicht mehr das technische Optimum. Viele RAW-Konverter sind in der Lage, weitere Farbräume außer sRGB und AdobeRGB auszugeben. Obwohl die Kamera dies nicht direkt unterstützt, kann man also über das RAW-Format einen Alternativfarbraum einstellen. Für RAW-Fotografen ist es eigentlich völlig egal, welche Farbraumeinstellung die Kamera kennt. Entscheidend ist der Konverter.

Auch bei AdobeRGB fehlen ein paar Farben, die ein ausbelichtetes Foto enthalten könnte; noch deutlicher zeigt sich das im Vergleich mit den Farbräumen guter Tintenstrahldrucker, die z. B. leuchtendes Gelb außerhalb von AdobeRGB drucken können.

Ausgerechnet die Firma Adobe, die ja Erfinderin und Namensgeberin von AdobeRGB ist, fördert mittlerweile ProPhotoRGB. (In Adobe Lightroom ist ProPhotoRGB als Ausgabefarbraum voreingestellt.) ProPhotoRGB ist nochmal deutlich größer als AdobeRGB und daher nur in Verbindung mit 16 Bit Farbtiefe zu empfehlen.

Wenn man am Ende JPEGs in 8 Bit Farbtiefe anstrebt, ist der Einsatz von allzu großen Farbräumen hinsichtlich der Farbabstufungen gar keine gute Lösung; wenn man etwas verbessern wollte, dann müsste es eher die Form des Farbraums sein, so dass eine bessere Anpassung an Papier-Ausgabeverfahren erfolgt, ohne die grundlegenden Anforderungen an Arbeitsfarbräume aufzugeben.

Eine interessante Alternative ist z. B. ECI-RGB. Dieser Farbraum wurde von der European Color Initiative geschaffen und hat eine ähnliche Zielrichtung wie AdobeRGB, nämlich Druckvorstufe und allgemeine Fotografie. ECI-RGB deckt die üblichen Druckverfahren noch etwas besser ab als AdobeRGB. Ein so verbreiteter Standard, wie dies in den Broschüren der ECI optimistisch behauptet wird, ist ECI-RGB aber noch nicht. Außerdem gibt es zwei inkompatible Versionen (V1 und V2), die die Verbreitung nicht gerade fördern.
PhotoGamutRGB ist ein kompakter Arbeitsfarbraum, der praktisch alle heute üblichen Papier-Ausgabeverfahren 100-prozentig abdeckt, also auch die Farben, die in AdobeRGB und ECI-RGB noch fehlen. Nachteil von PhotoGamutRGB ist der etwas kompliziertere Aufbau, der ein knapp 200 kB großes LUT-Farbraumprofil mit sich bringt. Für HighEnd-Drucke ist PhotoGamutRGB derzeit die bestmögliche Wahl, aber wenn man viele Dateien mit eingebettetem Profil speichern oder übertragen muss, wirkt sich die Größe des Profils ungünstig aus. Für andere Anwendungen als Drucke, z. B. die Darstellung am Monitor, sind ohnehin AdobeRGB oder ECI-RGB besser geeignet.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: November 2009

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